terrior

Thema

Terroir und Weitblick

„Terroir ist das Zusammentreffen von Klima, Boden und Landschaft, das Zusammenwirken einer unendlichen Anzahl von Faktoren: Nacht- und Tages-Temperaturen, Niederschlags-Verteilung, Sonnenschein-Stunden, Hangneigung u. Boden-Durchlässigkeit, nur um einige wenige zu nennen. Alle diese Faktoren reagieren miteinander und bilden in jedem einzelnen Teil eines Weinbaugebietes das, was der französische Winzer Terroir nennt.“
Der französische Winzer Bruno Prats beschreibt mit dieser Interpretation des Begriffs Terroir die natürlichen Einflussfaktoren der Entstehung und Entwicklungspotentiale eines Weines. Die Beschreibung kann ebenso gut als Zusammenfassung der ortsspezifischen Ausgangsbedingungen von Architektur gelesen werden. Insbesondere dann, wenn es sich bei dem zu entwerfenden Projekt um ein Weinhaus handelt, das im Weinberg inmitten der Reben stehen wird.
Mit diesem Entwurf begeben wir uns also auf die Suche nach dem Terroir der Architektur. Einer Architektur, die ihre Konzeption auf direkteste Art aus der Erde entwickelt in und auf der sie platziert wird. Die Erde ist der Spiegel des Ortes, der klimatischen Bedingungen, seiner Topographie und Geologie, aber auch seiner sozialen Geschichte und seines kulturellen Erbes. Das kleine Grundstück auf halber Höhe zwischen Zwingenberg und Melibokus bietet durch sein Relief mit wechselnder Neigung und Exposition auf engsten Raum vielfältige Möglichkeiten zur unterschiedlichen Positionierung und damit architektonischen Ausgestaltung in Lage, Orientierung, Struktur und Form. Weit ab von jeder Versorgungsstruktur (keine Energie, kein Wasser) wird es zur zwangsläufigen aber letztlich selbstverständlichen Bedingung, dieses kleine Gebäude als autarkes Objekt zu entwickeln. Autarkie bedeutet hierbei aber keinesfalls Isolation, sondern Einbettung und Einbindung in die natürlichen Bedingungen des Ortes.
Der brachliegende Hang wird somit zum objektiven Ausgangspunkt für den authentischen „Geschmack“ der Architektur. Die (Wein)-Lage Zwingenberger Alte Burg verbindet auf reizvollste Weise zwei essentielle Ausgangspunkte architektonischen Entwerfens: Erdverbundenheit und Offenheit – Terroir und Weitblick.

Aufgabe

Weinhaus

Die Verbindung zwischen Baukultur, Weinkultur und Tourismus hat in den letzten Jahren in Deutschland für die Stärkung des ländlichen Raums, enorm an Bedeutung gewonnen. Gerade junge Winzer setzen auf funktional, ästhetisch und energetisch anspruchsvolle Bauten als eine Facette ihres Marktauftritts und Ausweis ihrer Betriebsphilosophie. Weinliebhaber haben die Anziehungskraft, ja den Zauber, mancher Räume als ganz eigene Attraktion entdeckt. Eine neue Art des Wein- und Baukulturtourismus ist entstanden.
Vor dem Hintergrund der touristischen Entwicklung Zwingenbergs, seiner regionalen Besonderheit, als auch der überregionalen Bekanntheit, soll ein neuer Ort der Begegnung geschaffen werden. Ein Ort des Lernens und Lehrens, aber auch ein Ort, der zum Genießen und Verweilen einlädt.
Ein kleines Haus soll entworfen werden, dass Platz für 20 bis 25 Personen bietet. Auf Übernachtungswünsche der Gäste sollte das Gebäudekonzept flexibel reagieren können.
Die intensive Auseinandersetzung und der behutsame Umgang mit dem Hang sind Grundvoraussetzungen für ein integratives, in die Landschaft eingebettetes Entwurfskonzept. Zur Gesamtentwurfsaufgabe gehört daher neben dem Gebäudeentwurf ebenso die Entwicklung einer schlüssigen Freiraumplanung. Wegeführung, Frei- und Grünflächen sollen in Materialität, Oberflächbeschaffenheit und Vegetationsart detailliert geplant werden. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf den Umgang mit der Topografie des Ortes gelegt.
Integriertes Energiekonzept

Ein wichtiger Bestandteil der Entwurfsaufgabe ist die Entwicklung eines integrierten Energiekonzepts. Darunter verstehen wir eine auf den Standort und die Nutzung maßgeschneiderte aber auch angemessene Lösung. Nach Analyse von klimatischen und nutzungsspezifischen Standortbedingungen soll ein energetisches Konzept erarbeitet werden, das ein optimal ausbalanciertes Verhältnis zwischen Gebäudestruktur, Fassade und Technik findet. Die Potentiale und Herausforderungen am Standort sind im Vorfeld zu überlegen. Entwurfsstrategien sollen für das Gebäude abgeleitet werden.