SS09_Suffix

Suffix – Infix – Affix

Oberstufenseminar SS 09, 4 CP

Betreuung
Prof. Ariel Auslender, Hyun-Mee Ahn, Dipl.-Ing. Oliver Hantke
Lehrbeauftragter: Axel Zimmermann


Thema

Das Thema des Seminars war die Entwicklung einer eigenen Architektursprache
aus den Bestandteilen Glas, Beton und Licht.
Glas und Beton sind Kunstprodukte aus mehreren Ausgangsstoffen. Beiden
gemeinsam ist, dass sie gegossen werden (können). Licht hingegen kann sich
ergießen. Die spätere Form der erstarrten Masse musste präzise „vorgedacht“
und geplant werden. Beton und Glas sind, einmal erstarrt nur bedingt zu
bearbeiten. Damit sich später noch Licht durch die im Beton eingeschlossenen
Glasstrukturen ergießen kann, mussten Lichtwege in den Entwürfen vorgesehen werden.

Durch die Kombination der beiden unterschiedlichen Materialien ergaben sich
spannende Effekte und eine Vielzahl gestalterischer und inhaltlicher Fragen.
Wer hält wen? Wer rahmt ein, wer stützt? Wer erzählt was? Welche Akzente setzt
das Licht? Welche Aussagen ergeben sich aus den unterschiedlichen Texturen der
Materialoberflächen?

Technik

Es wurden folgende Grundkenntnisse vermittelt:

  • Feuerfester Formenbau
  • Techniken der Glasverschmelzung im Glasbrennofen
  • Fertigung des Positivmodells aus Ton, Styrodur o. ä …
  • Abguss mit Formgips und Schamotte
  • Füllen der Formen oder Stellen von Vorratsgefäßen über der Form
  • „Schmelzen“ des Glases in die Form. 


Aufgabenstellung
Der Sprachwissenschaftler Edward Sapir definiert „Sprache“ folgendermaßen: 
„Sprache ist eine ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde
Methode zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines
Systems von frei geschaffenen Symbolen“. 

Die kleinste bedeutungstragende Einheit der Sprache auf der Inhalts- und
Formebene ist das Morphem. Morpheme bilden Wörter, die zu Satzteilen
zusammengefügt werden können, diese wiederum bilden Sätze, diese Texte.

Der Sprachwissenschaftler Edward Sapir definiert „Sprache“ folgendermaßen: 
„Sprache ist eine ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde
Methode zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines
Systems von frei geschaffenen Symbolen“. 


Aufgabe 
Das FINDEN einer Sprache, das BILDEN von Texten und das SPRECHEN der gefundene Sprache.

Von den Studenten wurde das Finden einer Formensprache mit Glas-Beton-Licht erwartet.
Das Morphem ist die kleinste formal zur Verfügung stehende Einheit. Mehrere
Morpheme bilden die Satzteile. Die zusammengefügten Satzteile bilden den Satz,
das fertige Objekt.

Das Endobjekt sollte mind. 15 x 15 x 30 cm groß sein. Die maximale Dicke/Höhe der Glaselemente 5 cm nicht überschreiten.

Arbeitsprozess
Für den ersten handwerklichen und gestalterischen Umgang mit dem Material Glas
wurden zwei Arbeits- und Gestaltungsproben mit dem Format von 10 x 10 x 3 cm
erstellt. Hierfür wurden Gipsnegativformen erstellt, die mit Glas in unterschiedlichen
Farben und Körnungen (Stangen, Scheiben, Mosaik, Krösel, Fritten und Puder) befüllt
wurden.

Bei der Gestaltung war es von essentieller Bedeutung sich über den Zusammenhang
von Masse und Raum, Licht und Schatten, Materialität und Freiraum klar zu werden.
Masse bedeutete in diesem Falle nicht zwangsläufig Schatten und Raum nicht
unbedingt Licht. Die Kombination der Elemente ergab die spätere Form. 
Die Annäherung mit Skizzen und Arbeitsmodellen aus unterschiedlichen Materialien,
die ähnliche Eigenschaften wie Beton (opak) und Glas (transparent) besaßen, die
Problematik der Kombination der unterschiedlichen Materialien hinsichtlich ihrer
Gesetzmäßigkeiten waren die ertsen Schritte, sich seinem Objekt zu nähern.
Schlagwörter wie Licht, Lichteinfall, Lichtaustritt, Kombination, Materialgerechtigkeit, Fügung, Fuge, Licht, Schatten, Raumfluss wurden immer wieder in den Rücksprachen und Korrekturen thematisiert…
Sobald die Gestaltung des Objektes abgeschlossen war, wurde der Entwurf in
Negativ-Formen für den Glas- und Betonguss umgesetzt.

Zuerst wurden die Glaselemente in der oben beschriebenen Technik
erstellt. Die entstandenen Glasobjekte konnten an der Oberfläche noch bearbeitet
werden. Danach wurden sie Glaselemente in einer Schalung für die Betonstele
angeordnet. Die Problematik war hierbei die gestalterische Trennung und
Kombination der Materialien. Wo gibt es Kontakt? Welche Fugen sind wichtig?
Welche Oberflächen sollen nicht mit dem Beton in Berührung kommen?
Fertigungstechnisch sind Aspekte wie die Stabilisierung der Glasobjekte in der
Schalung, Gußrichtung (oben/unten), Abdichtung, Versiegelung der Oberflächen und
die Trennschicht wichtig. ES GAB NUR EINEN VERSUCH! Aus diesem Grund musste die Herstellung des Beton-Glas-Komposits von den Studenten sehr gut geplant werden.

Die Nachbearbeitung der Objekte war vielfach. Schleifen, polieren und strahlen schafften unterschiedliche Oberflächen die wiederum die Objekte neu und anders in den sie umgebenden Lichtraum einbinden.