Accademia di belle Arti

Accademia di belle Arti – Gipsoteca

Diplom- / Masteraufgabe WS 11/12
Herausgegeben mit dem Fachgebiet Entwerfen und Hochbaukonstruktion und dem Fachgebiet Experimentelles Gestalten

Prof. Ariel Auslender
Prof. Wolfgang Lorch
Prof. HG Merz

Betreuung / Koordination
Dipl.-Ing. Fabian Luttropp
Dipl.-Ing. Johannes Thoma

Dem Fachgebiet Plastisches Gestalten – regulär keine Entwurfsfachgebiet – wurde erstmalig die Möglichkeit gegeben sich aktiv an einem Diplom zu beteiligen und sowohl an Aufgabenstellung, als auch Koordination der Veranstaltung und Begleitung der StudentInnen zu sein.


Auszug aus der Aufgabenstellung:

Vorwort


„…Warum ist die Aufgabe Academia di belle Arti eine relevante? Warum bildet sie den idealen Rahmen für die Diplomanden in ihrer Abschlussarbeit all dies zeigen zu können, was in Einzelaspekten vermittelt, zusammen das ergibt, was wir Entwurf nennen?

Beginnend bei den historischen Grundlagen, über die gestalterische, kompositorische Kompetenz zu dem was wir techné nennen, d.h. das mit viel Übung erworbene Wissen über Material, Struktur, Tektonik und Typologie anzuwenden und zu einem sinnhaften Ganzen werden zu lassen. Aufgrund des alten Gemäuers und des historischen Kontexts ergeben sich in der Aufgabe eine Vielzahl von Fragestellungen, die eine scheinbar weit vom Alltag entfernte Planungsaufgabe aktuell machen.

Unter anderem die Frage des Planens im Bestand mit all ihren Schnittstellen und Fugen, die dialektisch, oder im Sinne eines Aufnehmens und Weiterbauens beantwortet werden kann und letztlich eine Haltung und Positionierung verlangt. Darüber hinaus ist eine in der aktuellen Diskussion stehende Frage, ob das dingliche Material an sich, oder die dahinter stehende geistige Ordnung der zu schützende und aufzunehmende Wert ist.

Die Transformation und das Weiterbauen in einem räumlichen und geschichtlichen Kontext wird eine der beherrschenden Zukunftsaufgaben der kommenden Architektengeneration sein, die weniger neu und noch weniger auf der grünen Wiese planen wird. (von Prof W. Lorch)

Aufgabe: Weiterdenken!

Accademia di Belle Arti | Gipsoteca

Das Ensemble und das städtebauliche Umfeld der Accademia di Belle Arti in Carrara stellt den Rahmen für die Diplomaufgabe im diesjährigen Wintersemester.

Wie schon aus der Einleitung ersichtlich, wurde das Gebäude der heutigen Accademia über mehr als ein halbes Jahrtausend immer wieder erweitert, umgebaut und in seiner Nutzung variiert. Die Existenz des Gebäudes vom Mittelalter bis in unsere Zeit gibt dem Bau seinen hohen Erhaltungswert.

Ehemals als Herrschaftshaus genutzt, beherbergt das Gebäude heute eine Bildungseinrichtung – die Kunstakademie von Carrara und deren Verwaltung.

Viele Räume im bestehenden Gebäude dienten ursprünglich anderen, vollkommen konträren Funktionen. Die Anpassung des Lehrkonzepts, Umsiedlung und Auslagerung von Einrichtungen verstärkt das diffuse Gesamtkonzept des Gebäudes.

Die räumlichen Begebenheiten und Zustände entsprechen keinem aktuellen Standard mehr. Räume stehen leer, historische – zu Weilen auch denkmalgeschützte Räume – dienen primär als Depots oder bleiben ungenutzt. Viele Kunstwerke vergangener Jahrhunderte die im Gebäude verteilt stehen, sind mehr archivarischem Zweck als ihrer Präsentation dem Besucher gegenüber geschuldet.

An diesem Punkt setzt die Diplomaufgabe an und sucht nach einer Antwort auf die Frage des Weiterdenkens, des Neudenkens einer bestehenden disfunktionalen Gebäudestruktur.

Ein neues Raumprogramm für eine Gesamtnutzfläche von ca. 4.000 qm setzt das Arbeiten im Bestand, wie auch die Neuplanung voraus. Somit ist die Umstrukturierung der bestehenden Nutzungen und das Anfügen zusätzlicher Funktionen notwendig. Es wird ein konzeptionell, räumliches Programm und dessen bauliche Umsetzung gesucht, um das Profi l der Einrichtung der Accademia zu stärken. Ein geschulter Blick und ein sensibler Umgang mit dem Bestand ist Grundvoraussetzung zur erfolgreichen Bearbeitung der Aufgabe. Daher ist besonders zu beachten, dass einige Bereiche der Accademia unter Denkmalschutz stehen.

Die PlanerIn kann jedoch selbst entscheiden und begründen, welche Räume, Oberflächen und Fassaden er für erhaltenswert hält und welche – gut begründet – einer Neuplanung weichen können.

Das vorgeschlagene Raumprogramm ist dabei als richtungsgebende Vorlage gedacht. Viele Räume finden sich heute bereits im Bestand, einige der bisherigen Nutzungen werden entfallen.

Andere, wie eine Gipsoteca mit großzügigeren, nun primär als Ausstellungsfläche genutzten Räumen und eine neu zu integrierende Restauratorenklasse kommen hinzu. Dabei können 2.500 qm des neuen Gesamtraumprogramms im Bestandsgebäude nachgewiesen werden. Für 1.500 qm Nutzfläche muss ein neu zu errichtendes(r) Gebäude(teil) geplant werden. Dabei ist es der PlanerIn freigestellt, wo er dieses Gebäude(teil) platziert. Im Rahmen einer Exkursion nach Carrara soll die vorhandene Struktur erkundet werden und ein Analyse des Bestandes sowie der städtischen Umgebung durchgeführt werden.

Neben einer städtebaulichen Annäherung an das symptomatische Gebäude und der Frage, welche Erweiterungslösung stadträumlich auf dem Planungsgebiet richtig ist, wird es darum gehen, architektonische Antworten auf die Frage zu finden: Wie verbindet sich Altes und Neues räumlich? – Wie inhaltlich? Und wie wird es zu einem überzeugenden und stimmigen architektonischen Ganzen? …“

Das Fachgebiet bedankt sich bei den DiplomandInnen und allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit!